Lehndorf

- ein Stadtteil im Wandel der Zeit -
von Dr. Frank Schröter

Rechtshinweis

Stand: 24. August 2005

 

Siedlung Lehndorf
(Quelle: Vortrag der Lehndorfer Heimatpflegerin Gunnhild Ruben in der Ortsbücherei Lehndorf)

 

Bereits 1919 gab es erste Planungen für die Siedlung Lehndorf, der Grundstein wurde jedoch erst am 21. März 1934 gelegt.

Die Planungen wurden vom TU Prof. Herman Flesche durchgeführt, der u. a. auch die Braunschweiger Siedlungen Siegfriedviertel und Bebelhof geplant hat. Innerhalb der Siedlung (vgl. Abb. 1) ist deutlich die Hierarchie vom Zentrum mit repräsentativen Gemeinschaftsbauten bis zum Siedlungsrand abzulesen. Diese Hierarchie wird auch in der Gebäudehöhe und in der Bebauungsdichte sichtbar. Die höchsten Gebäude stehen im Stadtteilzentrum, dann folgen zweigeschossige Doppelhäuser, reine Mietwohnungsgebäude, eingeschossige Einfamilien-Doppelhäuser und zum Schluss freistehende Einfamilienhäuser. Markanter Erkennungspunkt des Stadtteilzentrums ist "der Turm" (vgl. Abb. 2). Der Turm ist von weitem zu sehen und somit Orientierungspunkt in der Siedlung, was auch dadurch verstärkt wird, dass zahlreiche Straßen auf den "Turm" zulaufen.


Abb. 1: Grundriss der Siedlung


Abb. 2
: Der Turm

Bei der Planung der Siedlung wurde darauf geachtet, das angrenzende Stadtgebiet mit dem vorhandenen Waldgebiet (Pawelsches Holz) zu verbinden. Außerdem erhalten die Hauptalleen 4 – 6 reihige Baumpflanzungen von Ahorn- und Lindenbäumen (vgl. Abb. 3). Die Gärten werden straßenseitig durch lebende Hecken abgegrenzt.


Abb. 3
: Baumalleen

Die Siedlung Lehndorf war (als Muster- und Gemeinschaftssiedlung) zuerst für 6.000 Einwohner geplant und betrug flächenmäßig etwa 2 / 3 der damaligen Braunschweiger Altstadt. Vorgesehen waren:

Die Mietwohnungen verfügten über 1 - 3 Zimmer von insgesamt ca. 42 qm Wohnfläche und 150 qm Garten mit Obstbäumen. Die monatliche Miete betrug 29 Reichsmark. Außerdem gab es Mietwohnungen mit 4 - 5 Wohnräumen mit monatlichen Mieten von 44 bzw. 50 Reichsmark.

Die Kosten für die Eigenheime betrugen zwischen 8.900 und 17.650 Reichsmark, wovon mind. 1.000 Reichsmark Eigenkapital erforderlich waren. Es ergaben sich monatliche Belastungen von Beträgen ab 38,- Reichsmark. Als Zugabe erhielten die Siedler Hakken, Spaten, fünf Obstbäume und fünf Hühner.

Die Kleinsiedlerstellen (mit 750 qm Grundstück und 36 - 64 qm Wohnfläche) kosteten 6.000 Reichsmark und konnten wie folgt finanziert werden:

Darlehen 2.500 RM
Hypothek  1.500 RM
Zuschuss 1.600 RM
Selbsthilfe (900 Std.)  400 RM
 

Hieraus ergab sich eine monatliche Belastung von ca. 25 Reichsmark. (Anmerkung: Der damalige Tariflohn betrug ca. 70 - 80 Pfennig/Std.)

Die soziale Schichtung der Bewohner entsprach etwa der Struktur der Berufstätigen in Braunschweig: 5 % Selbständige, 6 % Beamte, 17 % Angestellte, 46 % gelernte Arbeiter, 25 % ungelernte Arbeiter und 3 % ohne Beruf.

Für das im Zentrum liegende so genannte "Aufbauhaus" (Gemeinschaftshaus) wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, der auch die Kirche beinhalten sollte. Da bei der Planung die Schule vergessen wurde, erfolgte jedoch eine Umplanung (vgl. Abb. 4).


Abb. 4
: Aufbauhaus mit Grundschule

 

Das "Aufbauhaus" liegt an einem dreieckigen Marktplatz, der auch das Zentrum für die 20 Geschäftshäuser ist. Er liegt an einer großen Allee, der heutigen Saarstrasse (vgl. Abb. 5). An ihr stehen zweigeschossige 4-Familienhäuser, je drei zu einem Reihenhaus zusammengeschlossen und im Wechsel an der Straße und um ca. 10 m nach hinten versetzt (vgl. Abb. 6). Sie unterstützen die Wichtigkeit der Allee als "Aufmarschgelände" für die "Ehrenhalle".

Abb. 5: Saarstraße Abb. 6: Versetzte zweigeschossige 4-Familienhäuser

 

Während in anderen Mustersiedlungen die Siedler nach einem speziellen Auswahlverfahren der Nationalsozialisten ausgewählt wurden, kam dies in der Siedlung Lehndorf nur noch im geringen Umfang zum Tragen, da die Siedlung 1935 (als das Auswahlverfahren eingeführt wurde) schon nahezu vollständig belegt war.

 

 

Wie es weiterging mit der Siedlung Lehndorf und warum die Siedlung bereits den heutigen Kriterien einer nachhaltigen Stadtplanung entspricht, erfahren Sie in dem Aufsatz Nachhaltigkeit im Bestand - das Beispiel der Siedlung Lehndorf in der Stadt Braunschweig, den ich vor einiger Zeit für ECOSOPHIA-News (Online-Magazin für gesamtheitliches Planen + Bauen + Wohnen (Österreich), im Internet: Ecosophia) geschrieben habe.

 

 

Einige interessante Infos zur Geschichte von Lehndorf:

 

 

... und ein paar weitere interessante Links mit Bezug zu Lehndorf:

 

 

Kontakt:

E-Mail an Dr. Frank Schröter